Interview mit Tobias Angerer

Interview mit Tobias Angerer

Die Tobias Angerer Loipe ist nach einem der erfolgreichsten deutschen Skilangläufer aus Traunstein benannt. Sie liegt am Hochberg in der Region Chiemgau.

Ein kleiner Tweet auf Twitter weckte eines morgens meine Neugier. Es klang eigentlich mehr wie einen Weckruf:

Nach einigen Recherchen, machte ich mich auf den Weg zur Loipe und lief die Runde. Danach war ich von ihr nicht nur begeistert, sondern auch fix und fertig. Denn die komplette Runde ist, für einen Skating-Neuling wie mich, doch recht anspruchsvoll.

Dennoch wollte ich wissen, welche Zutaten notwendig sind, damit eine Loipe nach jemandem benannt wird. Ich habe Tobias Angerer persönlich gefragt.

 

Das Interview

Du warst während Deiner aktiven Zeit als Skilangläufer sehr erfolgreich. Was waren für Dich persönlich Deine größten Erfolge?

Tobias: Natürlich die zwei  Gesamtweltcupsiege, der Sieg der ersten Viessmann-Tour de Ski, sowie die Medaillen bei Olympia und der WM. Mein persönlicher Weltmeistertitel war der Tour-Sieg, aber jeder Sieg, jede Medaille und Weltcupsieg hat für mich seine Wertigkeit.

Gibt es bestimmte Eigenschaften einer Loipe, die Dir besonders liegen bzw. die eine Loipe für Dich besonders spannend machen? 

Tobias: Für mich war es persönlich immer interessant, aber auch wichtig, wenn es rauf und runter ging, abwechslungsreiche, steile Anstiege, schwere Abfahrten und mit Tempo ins Ziel. Holmenkollen in Norwegen war eine meiner Lieblingsstrecken, aber auch Falun in NorwegenOberstdorf, Rybinsk in Russland und Canmore in Kanada.

Wie sieht heute eine normale Woche im Winter bei dir aus? Wie aktiv bist Du noch und welchen Themen widmest Du Dich derzeit?

Tobias: Ich versuche natürlich oft zum Langlaufen zu gehen, gelingt mir aber nicht immer  🙂  Es ist für mich sportlich der perfekte Ausgleich zum Studium und zu den Event-Terminen mit meinen langjährigen Partnern Viessmann, Audi und Adidas. So 10 Stunden Langlauftraining in der Woche sollen es aber schon sein! Ich habe auch immer wieder neue Prototypen von Atomic, neue Modelle von Roeckl oder aber auch neue Kleidungsstücke von der neuen Adidas-Langlauflinie zu testen. Das macht mir sehr viel Spaß, mich hier einbringen zu können und meine Erfahrungen aus dem Rennsport den Firmen weiterzugeben.

Die Tobias-Angerer-Loipe wurde nach dir benannt. Wie kam es dazu? Hast du diese Strecke selbst ausgesucht? Wenn ja, nach welchen Kriterien? Welche Besonderheiten weist sie auf?

Tobias: Schon während meiner Karriere kam die Stadt Traunstein auf mich zu und hat mich bei einem Olympia-Empfang mit meiner eigenen Loipe überrascht. Die einen haben Straßen, ich hab meine Loipe! Das passt auch zu mir. Die Loipe gibt es schon immer, war früher die Hochberg-Loipe. 13 km Länge, leicht kupiert, von allem was dabei. Bei schönem Wetter bietet sie sehr viel Sonne. Die Berge mit einem unglaublichen Alpenpanorama und einer Sicht sogar bis zum Watzmann hat man vor der Nase. Dazu die Abwechslung: einerseits der bayerische Voralpenblick, andererseits das Gefühl von Skandinavien. Durch das Hochmoor gibt es Stellen auf der Loipe, wo man denkt, man ist in Skandinavien, Kiefern, kleine Birken, es sieht manchmal aus, als wärst mitten im hohen Norden.

Bist du schon einmal mit dem Spurgerät gefahren und hast selbst gespurt?

Tobias: Nein, habe ich noch nicht, das überlasse ich lieber den Profis 🙂 

Welche Loipe würdest Du uns unbedingt empfehlen wollen bzw. welche Region/Land?

Tobias: Natürlich die Tobias-Angerer Loipe! Aber es gibt so viele schöne Loipen, ob in Reit im Winkl oder von Ruhpolding über die Drei-Seen hoch zur Winklmoosalm. Dort sind auch tolle Loipen. Aber auch in Südtirol oder Österreich gibt es viele schöne Loipen.

Wie hältst du dich außerhalb der Saison fit? 

Tobias: Im Sommer gehe ich nach wie vor sehr gerne Skirollern, das perfekte Training im Sommer, ich trainiere dabei – ähnlich wie beim Skilanglauf – den ganzen Körper, kann mich entspannen und es macht mir einfach am meisten Spaß. Dazu laufe ich zu Fuß viel oder gehe mit meiner Familie auf den Berg.

Ich bewundere die Menschen, die beim ersten Schnee eine super Figur beim Skating abgeben. Wie kann ich das schaffen? 

Tobias: Das sind bestimmt alles gute Tänzer!  Ich sage immer, Skaten ist wie Tanzen auf dem Schnee. Rhythmus, Gefühl und Koordination, dann bringt man den Ski zum Laufen. Man muss mit dem Ski eine Einheit bilden und nicht gegen den Ski arbeiten. Wichtig ist es als Neueinsteiger, einen Skikurs zu belegen, wenn von Anfang an die richtige Technik vermittelt wird, dann macht es auch Spaß. Je besser die Technik, umso leichter geht es auch, und dann hat man auch Spaß.

Hast du noch irgendwelche Tipps oder  Empfehlungen die du uns auf diesem Weg mitgeben willst?  

Tobias: Es beginnt schon bei der Ausrüstung. Richtige Spannung der Skier auf das Körpergewicht abgestimmt, die richtige Länge der Stöcke. Man sollte sich hier wirklich in den Sportfachgeschäften beraten lassen. Dann für Neueinsteiger ein Langlaufkurs, damit die Technik richtig erlernt wird. Sonst eigentlich nur Spaß haben, den Sport genießen, für mich der Schönste, den es gibt.

Vielen Dank Tobi, dass Du Dir Zeit für mich genommen hast!

Steckbrief – Tobias Angerer:

Foto: ©AtomicNordic

Foto: ©AtomicNordic

Geburtsdatum: 12.04.1977
Größe/Gewicht: 179 cm / 72 kg
Ski Club: SC Vachendorf
Auf Langlaufski seit: ca. 38 Jahren
Partner: Viessmann, Adidas, Audi, Atomic
Motto: Der Weg zum Ziel verläuft selten gerade

Weitere Infos über die Tobias-Angerer Loipe findest du hier. Tobias ist auch auf Facebook.

Über

Chris bloggt hier über alles, was sie draußen im Schnee beim Langlaufen und Skaten erlebt. Mit einer Spürnase für schöne Loipen, Landschaft und Erlebnis, zeichnet sie alles auf was ihr gefällt. Im Sommer lebt sie ihre Passion für das Draußensein im Sportklettern aus. Im Winter bleibt ihre Langlaufausrüstung immer im Auto und wird nicht jedesmal in den Keller zurückgeräumt, um jederzeit losstarten zu können. Mehr...